Ein Thriller, der auf eine ganz eigene Art unter die Haut geht, ist dieser hier. In Wintermädchen erzählt die Autorin Laurie Halse Anderson die Geschichte zweier Freundinnen, die sich irgendwann einmal schwören, die schlankesten Mädchen ihrer Schule zu werden. Dieser Blutsschwur wird zu einer Essstörung. Und das auf beiden Seiten. Während Lia magersüchtig wird, leidet Cassie bald an Bulimie.

[bic-media isbn=”9783473353217″]

Nach einem heftigen Streit versucht Cassie ihre Freundin eines Nachts zu erreichen. Ganze 33 Mal wählt Cassie Lias Handynummer. Doch ihre Freundin reagiert nicht und ignoriert jeden einzelnen ihrer Anrufe. Als Lia am Tag darauf ihre Mailbox abhört, ist Cassie  bereits tot. Gestorben im Gateway Motel, allein. Und ohne Lia.

Das Buch ist aus der Sicht von Lia geschrieben, was die Stimmung wirklich beklemmend macht. Denn der Leser wird förmlich mitgerissen in die Spirale aus Selbsthass und Zerstörungssucht einer Essstörung, aus der es scheinbar kein Entrinnen gibt. Schon auf den ersten Seiten wird klar, wie das Thema Essen (oder vielmehr das Thema Nicht-Essen) das Leben der Protagonistin beherrscht und jede einzelne ihrer Handlungen bestimmt.

Wirklich erschrocken an Wintermädchen hat mich, dass ich einen richtigen und wirklich richtigen Eindruck davon bekommen habe, wie zwanghaft das Hungern bei einer solchen Krankheit ist, wie mächtig das Gefühl, verzichten zu müssen. Es ist nicht der Inhalt, der das bei mir bewirkt hat. Es ist die Art zu Schreiben, wie es die Autorin tut. Ungewohnt. Schnell. Irgendwie abgehackt. Und dabei wahnsinng gut. Ich finde, Ihr solltet gleich mal in die Leseprobe schnuppern. Es lohnt sich wirklich!