Als ich am vorletzten Wochenende meine Schwestern in Berlin besucht habe, bin ich mit ihnen durch Kreuzberg geschlendert – und plötzlich wie angewurzelt stehen geblieben. Ich sichtete nämlich dieses Straßenschild. (Ich benahm mich fast so, als würde ich einem Star begegnen: Herzklopfen, zittrige Hände, Kamera raus.)

Es gibt sie wirklich, die “Dieffe”, besser bekannt als “Dieffenbachstraße”, mitten in Kreuzberg. In dieser Straße wohnt einer meiner Lieblings-Buchhelden, nämlich der tiefbegabte Rico. Hauptperson der Rico-Bücher von Andreas Steinhöfel.  Und wer diese Bücher noch nicht kennt, sollte sie unbedingt kennenlernen. Hier bei Mein Lesetipp. Denn hier stelle ich sie vor.

“Ein komischer Titel”, dachte ich mir anfangs, als ich Rico, Oskar und die Tierferschatten in der Hand hielt. Und dann las ich bis zur zweiten Seite, als mich bereits dort ein Lachanfall überrollte. Ich habe wirklich, wirklich lange nicht mehr so ein erfrischendes und lustiges Buch gelesen! Das gleichzeitig auch noch nachdenklich macht.

Der Ich-Erzähler der Geschichte ist Rico, der in Berlin Kreuzberg in der Dieffenbachstraße, in der “Dieffe 93” wohnt. Er nennt sich selber “tiefbegabt”, hat Probleme mit Mathematik und Rechtschreibung und allerhand anderem Zeug, dafür aber das Herz am rechten Fleck.

Ricos Mutter ist alleinerziehend, arbeitet in einer Bar und schläft dann, wenn Rico zur Schule geht. Oder besser gesagt: zum Förderzentrum. Rico lebt in einfachen, aber liebevollen Verhältnissen und findet immer wieder einen Anlass, an den Türen der anderen Hausbewohner der Dieffe 93 zu klopfen. Er kennt sie alle, die Bewohner der Dieffenbachstraße 93: Frau Dahling, die oft das graue Gefühl überrollt, Herrn Fitzke, den alten Brüllwürfel und die Runge-Blawetzkys, die gerade im Urlaub sind. Und er erzählt uns von ihnen, auf seine ganz eigene Art.

Hierbei macht sich Rico immer wieder Notizen und schreibt sich die Erklärung von Fremdwörtern auf, was mich dazu veranlasst hat, einige Erklärungen abzuschreiben, weil ich sie so schön fand. Die hier zum Beispiel:

Und dann lernt der tiefbegabte Rico den hochbegabten Oskar kennen, der nie seinen Motorradhelm abzieht, aus Angst, ihm könne etwas zustoßen. Rico erklärt den Unterschied zwischen ihm und Oskar so: “Ich habe fast dauernd gute Laune, weiß aber nicht so viel. Oskar wusste jede Menge merkwürdiger Dinge, aber seine Laune war dafür im Keller.” Als Rico und Oskar plötzlich und zufällig auch noch dem stadtbekannten Kindesentführer Mister 2000 auf die Spur kommen, beginnt  eine wunderbare Freundschaft zwischen den beiden.

Für diesen ersten Band der Rico-Reihe erhielt der Autor Andreas Steinhöfel den Deutschen Jugendliteraturpreis und jede Menge andere Trophäen. Zu Recht, zu Recht und nochmal zu Recht!  Diesen Monat ist Rico, Oskar und die Tieferschatten übrigens als Taschenbuch im Carlsen Verlag erschienen. Und eines verspreche ich Euch: Die knapp sieben Euro sind hier mehr als gut angelegt! Denn sie garantieren fröhliche U-Bahn-Fahrten, lustige Sonntagnachmittage und ein riesen-riesengroßes Lesesvergnügen.

Dieses Buch ist einfach phänomenal. Wer nicht weiß, was ich meine, fragt einfach Rico.