“Und vielleicht regten wir uns ganz leicht, weil wir wussten, dass wir den Plan einhalten und eines Tages als rotgesichtige Neugeborene in die Welt platzen würden. Wir, unter dem alten Laken der Burg, zwei Eier unter Millionen. Wir waren dort.”

Inhalt
Cadence und Sphinx – Freunde für’s Leben. So wie schon ihre Mütter, die als kleine Mädchen Zukunftspläne für die Zukunft ihrer noch lange nicht geborenen Kinder schmiedeten. Sie sind beide als “rotgesichtige Neugeborene” auf die Welt gekommen, allerdings zeigt sich schon in ihrer Kindheit, dass sie verschieden sind, wie Tag und nacht, Engel und Teufel, Himmel und Hölle. Sphinxie – freundlich, zurückhaltend, mitfühlend, hell. Cadence – begabt, außergewöhnlich geheimnisvoll und dunkel. Ein Vorfall beim gemeinsamen Spielen bringt es ans Tageslicht: Die Freundschaft der beiden Kinder steht unter keinem guten Stern und Cadence zieht schließlich mit seiner Familie weit weg. Die Mütter bleiben beste Freundinnen, die Kinder brechen den Kontakt völlig ab – ein Schatten, der noch lange über den beiden Familien liegen sollte. Jahre später: Sphinx und Cadence sind sechzehn, als wieder ein Vorfall alles ändert und die Welt der beiden Jugendlichen – und ihrer Familie – ins Wanken gerät. Sphinx macht sich auf den Weg zu Cadence, eine Reise, nach der nichts mehr so ist, wie es mal war.

Meinung
Die bisher zu findenden Inhaltszusammenfassungen zu Killing Butterflies schließen stets mit dem Satz: “Das überwältigende Debüt einer Zwanzigjährigen über erste Liebe, Manipulation und das Erwachsenwerden.” Nachdem ich Killing Butterflies gelesen hatte, dachte ich “Verdammte Axt! Die Autorin ist 20?”, und musste M. Anjelais erst einmal googeln, um das zu verifizieren. Aber ja, die Autorin ist 20 Jahre jung gewesen, als sie dieses Buch verfasst hat. Warum mich das so erstaunt? Jede Zeile, nahezu jedes einzelne Wort trieft vor Fantasie, Schwermut, Philosophie, einem Reifeprozess und Erkenntnissen. Die Story ist zwar “nur” fiktional (denke, oder vielmehr hoffe ich mal, die Geschichte ist so real!), aber in jedem Satz in Killing Butterflies beweist M. Anjelais ihr großartiges Talent, unter alle Oberflächen zu schauen, Beziehungen und Menschen zu untersuchen und zu durchschauen.
Zum Buch – der Schreibstil ist toll, die Geschichte lässt sich sehr schön lesen. Die Stimmung, die auf den Seiten liegt, ist dunkel, nebelig, irgendwie “strange” wenn Ihr wisst, was ich meine. So, als würde man den Soundtrack dazu schon im Kopf hören und er ist definitiv nicht heiter und fröhlich. Manchmal habe ich mit Widerwillen den nächsten Satz gelesen, weil ich Angst vor dem hatte, was als nächstes passieren würde. Aber man muss weiterlesen. Es geht nicht anders. Die Charaktere haben mir gut gefallen – die etwas dysfunktional erscheinende Beziehung, oder Freundschaft, zwischen den Müttern hat mich an manchen Stellen erstaunt aber vor allem hat sich da für mich der Kreis geschlossen. Leigh, die Mutter von Cadence, hat im Erwachsenenalter extrem von der Freundschaft zu Sarah profitiert, auf emotionaler Ebene. Sarah hat wohl ihren Großmut, ihre Geduld und Empathie an Sphinx, ihre Tochter, weitergegeben. Es waren jedenfalls deutlich einseitige Züge in den Beziehungen zu sehen, sowohl bei den Erwachsenen, als auch bei den Kindern.
Die Themen, die Autorin M. Anjelais anspricht, reichen von Freundschaft über Scheidung, Krankheit bis hin zu der Komplexität von Mutterliebe. Aber ein besonderes Augenmerk legt sie auf die jugendliche Sphinx, die sich nicht wirklich lebendig fühlt, deren Leben – trotz Freunde und intakter Familie – farblos und unbefriedigend verläuft. Sind das eventuell autobiografische Angaben? Ich kann mich da jedenfalls gut hineinfühlen. Ich denke mal, wenn man nicht unbedingt die Klassenkönigin schlechthin war, hat sich jeder in seiner Jugend (und nicht nur da) mal so gefühlt. Irgendwie nicht angekommen, den Sinn der eigenen Existenz hinterfragend und ohne seinen Selbstwert wirklich erfassen zu können.

Okay, man merkt, mich hat das Buch echt berührt. Mir sind beim Lesen ständig Gedanken durch den Kopf geschossen, ich habe andauernd innegehalten, um zu überlegen: Finde ich das jetzt blöd, was da passiert? Kann ich das alles überhaupt verstehen? Kann ich mich in diese Situation so hineinversetzen, dass ich überhaupt eine Meinung dazu abgeben kann? Ich kam zu dem Ergebnis: Nein, ja und ja, kann ich. Ich verstehe die Handlungen der Charaktere. Daran ist nichts unrealistisch, Autorin M. Anjelais spiegelt normales, menschliches Verhalten in Extremsituationen wider. Und das macht sie richtig gut.

Mein Fazit
So ein Buch hätte ich gern als Schullektüre – aufrüttelnd, verstörend. Ein Buch, das den Leser zur Selbstreflexion zwingt und eine Geschichte erzählt, die wahr sein kann. So ein Buch soll in meinem Regal stehen – was es ja jetzt auch tut, aber eventuell wäre ich sonst nicht darauf aufmerksam geworden.

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