Inhalt
Bereits ihre Mütter, Leigh und Sarah, sind beste Freundinnen. Gemeinsam haben sie sich schon während ihrer Schwangerschaften ausgemalt, wie ihre Tochter und ihr Sohn einmal heiraten würden. Und zunächst scheint dieser große Plan auch aufzugehen. Leighs außergewöhnlicher Sohne Cadence und Sarahs fröhliche, aber so ganz und gar „normale“ Tochter Sphinx verbringen ihre Kindheit als enge Freunde. Doch schon bald zeigt sich, dass mit dem schönen und so besonderen Cadence etwas nicht stimmt: Einen Schmetterling, den Sphinx bewundert, zerquetscht er in seiner Hand. Und eines Tages verletzt er Sphinx mit einem Messer. Die Narbe wird sie für immer behalten.

Nach diesem Vorfall möchte Sphinx´ Vater nicht, dass die beiden Kinder weiter Kontakt haben. Nur über ihre Mutter erfährt Sphinx, wie es ihrem Jugendfreund weiterhin ergeht: Seine Mutter und er ziehen nach England, er besucht eine Privatschule und macht eine Therapie. Die Fotos, die sie geschickt bekommen, zeigen einen strahlenden und faszinierenden jungen Mann. Aus der Ferne ist er anziehend und ungefährlich.
Doch dann kommt eine schlechte Nachricht: Cadence ist schwer krank. Und er hat einen dringenden Wunsch: Er möchte, dass Sphinx nach England kommt und ihn besucht. Und Cadence kann ihm diesen Wunsch nicht abschlagen. Gemeinsam mit ihrer Mutter – und gegen den Willen ihres Vaters – fliegen sie nach England.
Und der Junge, den Sphinx dort wiedertrifft, scheint der gleich zu sein, den sie aus ihrer Kindheit kennt. Er hat immer noch diese geheimnisvolle Ausstrahlung – und er scheint immer noch alles um sich als Spiel wahrzunehmen. Mal macht er Sphinx Komplimente, lächelt sie an, mal straft er sie mit brüsken Kommentaren ab. Mal lässt er sie Komplize eines Geheimnisses sein, mal ignoriert er sie und schweigt. Sphinx durchschaut dieses Spiel einerseits und lässt sich dennoch immer wieder hineinziehen. Und von Cadence verzaubern: seinem künstlerischen Talent, seinem virtuosen Klavierspiel, seinen blauen Augen.

Wie hilflose Marionetten versuchen Sphix, Sarah und Leigh Cadence bei Laune zu halten, ihn aufzuheitern, ihm seine verbleibende Lebenszeit schön zu gestalten. Doch an Cadence scheint das abzuperlen. Er reagiert wann und wie er will. Und ist der Dirigent des Spiels. Und je schwächer er körperlich wird, desto raffinierter scheinen seine Spiele zu werden, als müsste er zum Schluss nochmal alles geben – um alles zu bekommen.
Als Cadence Mutter zurück in die USA muss, weiß Sphinx: Sie wird bleiben. Und viel zu spät wird ihr klar, dass sie Cadences letzten Wunsch nur gerecht werden kann, wenn sie ihm alles gibt …

Meine Lieblingsstelle:
»Lass uns Regentropfen-Rennen spielen«, sagte ich und zeigte auf die Scheibe. »Der da gewinnt eindeutig.«…»Ich glaube, der da gewinnt«, sagte er und zeigte mir seinen Tropfen. Und eine Minute lang starrten wir gebannt auf die Regentropfen und feuerten unsere Wettläufer an. Beide erreichten das untere Ende gleichzeitig. Ich schaute zu Cadence und er drehte sich fast zeitgleich zu mir um. Seine Augen waren kalt, als sie blitzschnell herumschwenkten. … »Hast du das gesehen?«, fragte er. »Was?« Für den Bruchteil einer Sekunde dachte ich, er meinte sein Lächeln. Ich hatte ihn dazu gebracht. Ich hatte für uns auf die Regentropfen gezeigt. Und dass es mir gelang, diese kleinen Dinge für ihn zu tun, bedeutete, dass meine Entscheidung zu bleiben, nicht umsonst sein würde. Ich erfüllte hier meinen Zweck. »Die Regentropfen, Sphinx. Sie haben das Rennen zusammen beendet.«

Meine Meinung
Das treffende Wort für „Killing Butterflies“ ist wohl faszinierend. Denn fasziniert hat mich dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite. Fasziniert und gefesselt. Der Autorin M. Anjelais gelang es, mich mit in diese Geschichte zu ziehen, ganz dicht bei den Charakteren zu sein und bei ihnen zu bleiben, obwohl ich immer wieder weglaufen, die Augen zu kneifen und das Buch zuklappen wollte. Denn dem Leser wird etwas zugemutet: eine ergreifende, aufwühlende und auch schreckliche Geschichte mit Charakteren, die man manchmal anschreien möchte, damit sie sich anders verhalten (im Falle von Sphinx), oder die man sogar beginnt zu hassen (im Falle von Cadence). Und doch bleibt man dabei. Weil man trotz seiner Abartigkeit fasziniert ist von Cadence, von seinen Spielen, von seiner raffinierten Manipulation aller Menschen um ihn herum. Und weil er einem auch leid tut und man hofft, dass er therapierbar ist, erlöst werden kann – von seiner physischen und psychischen Krankheit. Und weil man ihn – das Buch wird aus Sphinx´ Sicht erzählt – durch ihre Augen sieht, als kleinen Jungen, als hübschen jungen Mann, als kranken Menschen, der leidet und der so viele Talente hat, die ihm letztlich so wenig nutzen. Weil man nicht glauben kann, dass er wirklich so ist, dass es Menschen wie ihn gibt. M. Anjelais ist ein ganz fesselndes Porträt zweier Menschen gelungen, die sich auf traurige Weise anziehen – Cadence Sphinx, weil er strahlend und geheimnisvoll ist, Sphinx Cadence, weil sie etwas hat, dass er so gerne besitzen möchte und nicht besitzen kann: Emotion, Empathie, und Herzenswärme. Und mit anzusehen, wie er versucht, diese zu erlangen, immer verzweifelter versucht, „etwas“ zu spüren, ist furchtbar und traurig und unglaublich berührend.

Ich konnte nicht aufhören zu lesen, weil ich immer wissen wollte, wie weit er gehen wird, ob es Sphinx gelingt, etwas in ihm zu berühren, das ihn ändert, ob es ein gutes Ende geben kann. Ich möchte nicht zu viel verraten: Aber zum Schluss bleibt man geschockt und erleichtert zugleich zurück. Man ist froh und traurig. Denn Anjelais gelingt es mit einer sehr klaren und ausdrucksstarken Sprache nicht nur tief in die Psyche ihrer Figuren zu schlüpfen, sondern auch in die des Lesers.
Wer ein Wohlfühlbuch sucht, dem rate ich von „Killing Butterflies“ ab, wer aufgewühlt werden möchte und auch noch Tage nach der Lektüre über das Buch nachdenken will, der MUSS „Killing Butterflies“ lesen.

Killing Butterflies im Shop

[button url=”http://www.carlsen.de/hardcover/killing-butterflies/53968#Inhalt” color=”green” ]Killing Butterflies im Carlsen Verlag[/button]

[button url=”http://www.carlsen.de/hardcover/killing-butterflies/53968#Inhalt” color=”green” ]zur Leseprobe[/button]