Am 12. September 2015 veröffentlichte die junge Autorin Marlen Dido Grand ihren Debütroman „Schatten“ über einen Selfpublisher und setzte damit einen Meilenstein für eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen – Das Schreiben. „Schatten“ ist im Fantasy-Genre zuhause und als abgeschlossenes Werk zu betrachten. Ob M. D. Grand noch weitere Schritte in die Literaturwelt wagen möchte, bleibt allerdings abzuwarten.

Der Stein des Kairoan

Der machthungrige König Zenox schickt den Schattenfürst Ceryan los, um den magischen Stein des Kairoan zu finden. Ceryan selbst ist nämlich ein magisches Wesen und den Menschen in allen Belangen überlegen. Dennoch scheint es eine schier unlösbare Aufgabe für ihn: Bis auf eine Legende, die jedoch keinen Anhaltspunkt zum Fundort des Steins hergibt, existieren keine Hinweise, die Rückschlüsse auf die Existenz des Steines geben.

Was macht der Schattenfürst also? Er beschwert sich unentwegt, belächelt die unterlegenen Menschen und lässt sich zu einem Informanten führen, der angeblich mehr weiß. Doch statt eines weisen Mannes findet er einen jungen Grünschnabel namens Leam. Diesen muss er jedoch begnadigen, bevor er ihn ausfragen kann. Leam sitzt nämlich noch wegen Diebstahls im Gefängnis fest. Endlich beginnt die richtige Geschichte, denn der angebliche Grünschnabel kann zwar nicht kämpfen, dafür weiß er jedoch eine ganze Menge. Und nicht nur das: Er ist auch verdammt neugierig und intelligent und schafft es damit, Stück für Stück Ceryans kaltes Herz aufzuwärmen.

Ihre Reise führt sie in das feindliche Königreich Velmar, wo angeblich ein Buch existiert, das Aufschluss über den Ort geben soll, wo der Stein versteckt ist. Von hier an überschlagen sich die Ereignisse: Ceryan muss sich seiner Vergangenheit stellen. Leam verliebt sich in die Prinzessin des Königreichs. Diese gelangt über Umwegen – und absolut ungeplant – zum rechtmäßigen Thronerbe des durch Zenox vertriebenen Königs und geht mit ihm ein Bündnis ein. Und zu allem Überfluss sagt eine Wahrsagerin zur Verblüffung aller die unabdingbare Wichtigkeit Ceryans im baldigen Krieg und bei der Vernichtung des Steins voraus…

Ein kurzer Blick auf die Charaktere

Ceryan, ein Schattenwesen aus den Wäldern im tiefen Norden Velmars, ist den Menschen in allen Belangen überlegen und spielt dies auch bei jeder Gelegenheit aus: Er nutzt seine Fähigkeiten, um auf anderen, wie auf Ameisen herum zu trampeln. Und er lässt auch keine Möglichkeit aus, um Gefolgsleuten des Königs seinen Rang unter die Nase zu reiben. Schließlich hat ihn König Zenox zum Mitglied der blauen Garde erhoben und zum Fürsten ernannt.
Zenox ist der machtsüchtige König Avandoriens, dem wirklich alle Mittel recht sind, um das zu bekommen, was er begehrt. Er sendet Ceryan aus, um für ihn einen mächtigen Zauber zu finden. Ceryan gefällt das allerdings so überhaupt nicht. Er lässt keine Möglichkeit aus, um die Befehle des Königs irgendwie zu umgehen. Ganz widersetzen kann er sich ihnen allerding nicht, denn durch einen heimtückischen Trick ist sein Leben an Zenox gebunden.
Dann gibt es noch Leam. Ein Dieb, den Ceryan während seiner Reise aufgabelt hat und der ihn fortan begleitet. Seine natürliche Neugier und Ehrlichkeit sorgte auch bei Ceryan für ein stetig wachsendes Umdenken. Er wird im Laufe der Geschichte eine maßgebliche Schlüsselfigur und hinterfragt immer wieder Ceryans Art zu denken und zu handeln.
Die Prinzessin Ravelia des Königreichs Velmar hat ihren Auftritt erst zur Mitte des Buches. Sie ist schnell bereit, alles für ihr Volk und das Königreich zu opfern. Nicht zuletzt deswegen verliebt sich Leam Hals über Kopf in das schöne Mädchen.
Schließlich stößt auch noch ein Lichtwesen mit dem schönen Namen Navida zum Trio. Sie ist eine treue Dienerin des von Zenox vertriebenen Königssohns und rechtmäßigen Thronerben Tamir. Sie scheint als einzige dem allgemein als Schattenfürst bekannten Ceryan ebenwürdig zu sein und traut ihm keinen Millimeter über den Weg. Kein Wunder also, dass sie sich, allein schon zum Schutze Ravelias, der Reise anschließt.

Ein Hauptcharakter zum Hassen

Ceryan ist von Beginn des Buches an ein sehr nervenraubender Zeitgenosse. Ich habe mich glaube noch nie so über einen Charakter geärgert. Ständig spricht er von seiner Überlegenheit, dass er hier besser ist als „normale“ Menschen und dort verborgene, übernatürliche Fähigkeiten hat – wirklich zum Ausrasten. Zum Glück kommt er aber irgendwann auf den Boden der Tatsachen zurück und wirkt nach und nach sogar menschlich.
Da habe ich doch wesentlich mehr Geschmack an den anderen Charakteren gefunden.
Ich fand es traurig, dass die Autorin Leam z.B. nicht mehr Platz im Buch gegönnt hat. Er ist nämlich nicht nur Schlüsselfigur, sondern war mir auch durch seine erfrischende Art und seine Fähigkeit, Dinge aus anderer Perspektive zu sehen, sehr sympathisch. Doch dafür finde ich Leam leider nicht oft stark genug im Buch. In den knapp 350 Seiten hat Marlen jedoch enorm viel Story und Geschichte zusammengepackt. Die wirklich spannenden und interessanten Inhalte sind allerdings erst ziemlich weit hinten zu lesen – da dann dafür verdammt spannend und sehr kreativ umgesetzt. Ehrlich gesagt dürfte es beim nächsten Mal wirklich um die 200 Seiten mehr haben, um noch tiefere Einblicke in die anderen Charaktere zu geben und das Ende weiter aus zu bauen.

Fazit

Ich war wirklich traurig, als „Schatten“ zu Ende war und hätte noch 5-7 hundert Seiten mehr vertragen. Das nächste Buch von M. D. Grand werde ich mir dennoch kaufen müssen, schon allein um herauszufinden, ob die Gestaltung Ceryans als Egozentriker so beabsichtigt war. 😉 Passagenweise ist „Schatten“ zwar recht anstrengend zu lesen, weil der Schreibstil keine einheitliche Linie hat. Für ein Erstlings-Werk aber definitiv lese- und empfehlenswert. Hier geht’s zum Buch.

Liebe Grüße
Niels von mein Lesetipp