Inhalt:
Der Tod erscheint in den seltsamsten Gestalten. Manchmal hüllt er sich in eine dunkle Kutte, manchmal wirkt er wie der große Erlöser. Für Rhina ist er ein Dieb, der ihr ihren Vater viel zu früh raubte.

Doch damit nicht genug. Seine Asche wurde an einem falschen Ort begraben. Er hätte es so nicht gewollt. In Rhina wächst ein waghalsiger Gedanke heran, der sich immer weiter zur Mission entwickelt. Sie will die Asche ihres Vaters nach Namibia bringen, in das Land zurück, welches so viel mehr für ihn zu sein schien. Die Umsetzung dieses heiklen Unterfangens verlangt nach einem echten Freund. Als würde das Schicksal ihr zuzwinkern, trifft sie eines Tages auf Uncas.

Meine Meinung:
“Sterben ist wie kacken – hat was mit loslassen zu tun und muss jeder machen.” Es gibt wohl nicht viele erste Sätze dieser Art. Sätze, die quasi per Fingerschnipp die volle Aufmerksamkeit des Lesers einfangen. Anke Weber hat ein ganzes Buch voll mit solchen Sätzen geschrieben. Zwischen diesen fand ich den Regenbogen.

Die Geschichte wird mit unheimlich viel Witz und Charme erzählt. Trotz der offensichtlichen Anwesenheit des Todes, fühlte ich mich sehr wohl. Vielleicht, weil eben genannter nicht wie in vielen Geschichten einer Apokalypse gleich und wie das Ende von allem beschrieben wird. Klar, bedeutet der Tod in den meisten Fällen ein Ende, hier wird er aber eben auch als Beginn von etwas Neuem beschrieben. Der Tod als Teil des Lebens. Um euch aber nun nicht auf eine falsche Fährte zu führen, sei gesagt, dies ist keines jener Bücher, in den der Tod die Hauptrolle spielt. Er übernimmt nur eine Statistenrolle. Der Regenbogen leuchtet in den Farben der Freundschaft und der Liebe, des Erwachsenwerdens, des Lebens und so viel mehr. Die Autorin erzählt nicht einfach nur eine ganz besondere Geschichte, sie malt sie. In ihren Worten steckt so viel Farbe. Das dunkle Orange der untergehenden Sonne Afrikas, in dem ich tanzen möchte. Das satte Grün der Frühlingswiese, auf der ich liegen und die Gerüche um mich einatmen möchte. All das hat Anke Weber uns in ihre poetischen Worte verpackt.

Die 14-Jährige Rhina, die andere Dinge im Kopf hat, als es ihrem Alter entspricht, ist eine Protagonistin zum Verlieben. Zu jedem Zeitpunkt authentisch und bezaubernd. Ebenso wie Uncas, der eigentlich Kevin heißt. Die beiden verbindet eine wundervolle Freundschaft, aus der irgendwann so etwas wie Liebe wird. Die Beziehung zwischen Rhina und Uncas, ungeachtet ihres jungen Alters, besitzt für mich mehr Größe und Tiefgang, als viele der “großen” Liebesgeschichten von heute und es war toll, die beiden auf ihrer Reise zu begleiten.

MeinLeseTipp-Cover-Regenbogenasche

Wie bekommt man also die Asche des Vaters nach Afrika? Die Antwort darauf, wie und ob es den beiden letztendlich gelingt, werdet ihr hier vergebens suchen. Allerdings lohnt es sich in meinen Augen, dies herauszufinden. Die Geschichte ist nicht perfekt und sicher nicht immer unvorhersehbar. Ein mancher wird vielleicht große Spannungsmomente vermissen. Für mich ist es wichtig, welche Gefühle ein Buch in mir auslöst und dieses bietet einen ganzen Farbeimer voll davon. Ein riesiger schillernder Regenbogen voller Eindrücke, Fragen, Erkenntnissen und Gefühlen, die von den hellen Farben bis zu den ganz dunklen reichen. Und darüber hinaus, ein Schmunzeln hinterlassen.

 “Es bleibt dabei: Der Tod ist die Anwesenheit der Abwesenheit. Wer auf ihn wartet, stellt fest, dass er noch nicht eingetroffen ist. Und ist er schließlich eingetroffen, dann ist für die Hinterbliebenen die Abwesenheit des Gestorbenen permanent anwesend. Der leere Stuhl am Tisch trägt nach dem Tod mehr Gewicht, als zu den Zeiten, da noch jemand auf ihm gesessen hat.”

(“Regenbogenasche”, S.34, Anke Weber)

Fazit:
Ungewöhnlich, auf eine sehr sympathische Art skurril und voller regenbogenbunter Gefühle, erzählt Anke Weber eine Geschichte, die tief in mir etwas zum Klingen brachte. In “Regenbogenasche” werden wir Teil eines Zaubers, der uns auf eine sehr sensible und herrlich leichte Art zeigt, dass Loslassen nicht zwangläufig Verlust bedeutet. Der klar macht, dass Erwachsenwerden kein begrenzbarer Prozess ist und der uns mit wundervoll poetischen Worten die Einfachheit der Liebe zeigt. Allen, die Lust auf eine Entdeckungstour durch die bunte Farbwelt der Gefühle haben, kann ich dieses Buch nur empfehlen.

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