Ich habe über dieses Buch im letzten Jahr eine eher miserable Klausur geschrieben. Das Problem war, dass mich  dieser Klassiker von Gabriel Garicía Márquez erst im Nachhinein beeindruckt hat. Dafür dann aber umso mehr. Besser noch: Er hat mich gar nicht mehr losgelassen.

Hundert Jahre Einsamkeit ist ein ziemlicher Brocken, finde ich. Zumindest beim ersten Lesen. Aber als ich Gefallen daran gefunden hatte, dass die Hauptpersonen, nämlich die Mitglieder der Familie Buendía, so ziemlich alle den gleichen Vornamen tragen und, dass Márquez gerade dadurch die zyklische Einsamkeit des Clans und des gesamten Dorfes Macondo so fantastisch wiedergibt, wurde aus “Hundert Jahre Einsamkeit” für mich ein kleines Kunstwerk. Nein, stimmt nicht: ein großes Kunstwerk.

Es ist die Stimmung, die dieses Buch ausmacht. Düster, verrückt, abgedreht, anders, erdrückend, einsam… Dauernd muss man beim Lesen innehalten, die Sätze auf sich wirken lassen, den Inhalt auseinandernehmen.

Angeblich hat García Márquez es geschafft, dieses Buch in 8 Monaten nieder zu schreiben. Ich zumindest konnte die 17 Aurelianos nur mit Stammbaum der Familie (Wikipedia sei dank) auseinanderhalten und hab mit vielen bunten Stiften fröhlich das Buch markiert. Okay, klingt nacht Arbeit. Ist es aber wert! In meinem Fall gibt es nämlich und zum Beispiel diverse Sätze, die mich tagein, tagaus begleiten. Einer meiner Liebsten, den ich in rasender Wut immer wieder gerne auspacke, ist der Folgende: Y tú, anda a tu casa y ármate porque te voy a matar. Auf Spanisch hört er sich auch definitiv nach mehr Feuer an als auf Deutsch.