Endlich erscheint Chelsey Philopts Debütroman „Even in Paradise“ auch im Deutschen, und zwar im Carlsen Verlag unter dem Titel „Ein anderes Paradies.“

Mittelpunkt der Young-Adult-Novel ist die 17-jährige Protagonistin Charlotte „Charlie“ Ryder, die das renommierte Mädcheninternat St. Anne’s besucht. Charlotte ist ein ruhiges Mädchen, das gerne ihre Zeit allein im Atelier verbringt und die Schule nur aufgrund eines Stipendiums besuchen kann. Somit könnte der Kontrast zur gleichaltrigen Julia Buchanan, der Tochter eines ehemaligen Senators, die nicht nur wunderschön und beliebt, sondern auch sehr begabt und reich ist, größer kaum sein – und doch finde die beiden zusammen und eine tiefgreifende Freundschaft entsteht. Contra mundum, gemeinsam gegen die Welt, lautet das Versprechen, das sich die beiden geben, und genau das wird im Buch auch gezeigt.

Nachdem Charlie Julia aus einer unangenehmen Situation geholfen hat, entwickelt sich zwischen den beiden schnell eine Freundschaft und bald sind die beiden unzertrennlich. Sie verbringen jede freie Minute miteinander und so ist es nicht verwunderlich, dass Julia Charlie zu sich nach Hause, auf das große Buchanan-Anwesen, einlädt. Julia ermöglicht ihrer Freundin Einblicke in eine Welt aus Reichtum und Dekadenz, die Charlie sonst nie kennengelernt hätte. Die Faszination von dem Anderen, dem Fremden, begleitet Charlie allerdings nur bis zu dem Punkt, an dem sie der Familie Buchanan gegenübersteht und feststellt, dass sich hinter dieser Fassade auch einige Probleme verbergen.
Die Freundschaft zwischen Julia und Charlotte wird im Laufe der Geschichte mehrmals auf die Probe gestellt. […] Neben Julia entwickelt sich auch ihr Bruder Sebastian zu einer wichtigen Bezugsperson für Charlotte. […]
Das Buch spielt in einem Internat und konzentriert sich dabei in erster Linie auf die die Themen: Freundschaft und Liebe.

Die Protagonisten Charlotte Ryder zeichnet sich vor allem durch ihre Passivität aus. Charlotte ist dabei kein unsympathischer, aber ein farbloser Charakter. Sie beobachtet und reagiert lieber auf die Wünsche bzw. Forderungen anderer, als selbst die Initiative zu ergreifen. Sie ist sehr zurückhaltend, weswegen zu Beginn nicht nachvollziehbar ist, warum Julia so an ihr interessiert ist. Die Freundschaft zwischen den beiden entwickelt sich zu schnell, da beide ohne Grund ihre alten Freunde fallen lassen und nur noch Zeit miteinander verbringen. Das Interesse an dem Gegensätzlichen, dem Unbekannten könnte der Grund für dieses Verhalten sein, aber die Autorin schafft es nicht, dieses überzeugend darzustellen.

Die Freundschaft zwischen Julia und Charlotte ist allerdings wunderbar und authentisch beschrieben […], ebenso wie die junge Liebe, die Charlotte das erste Mal mit Sebastian erlebt, da Sebastian nicht nur der reiche, perfekte Sohn eines Senators, sondern auch ein wenig tollpatschig ist. Das macht ihn nicht nur liebenswürdiger, sondern auch glaubwürdiger. Er ist ein Mensch mit Fehlern sowie guten und schlechten Eigenschaften. […]

Das Buch ist ein klassisches Jugendbuch (Young Adult Novel), die gerne mal zwischendurch verschlungen werden darf. Altbekannte Themen wie Freundschaft, erste Liebe und die Faszination an dem Unbekannten bzw. die Suche nach der eigenen Identität und Abenteuer bilden das Gerüst des Buches, wobei einzelne Szenen zauberhaft hervorstechen und dem Buch eine unverhoffte Tiefe verleihen. Die Sprache ist einfach und gut verständlich. Probleme könnten allerdings Julias Faible für französische Sätze bringen, da diese kaum innerhalb des Texts übersetzt werden und nicht immer durch den Kontext erschließbar sind.
Ein-anderes-Paradies-0E’lir An empfiehlt ihr Patenkind Ein anderes Paradies auf jeden Fall Fans von John Green und allen anderen Interessierten zwischen 12 und aufwärts.

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