[bic-media isbn=”9783442466566″] Als ich vor einiger Zeit das Buch Der Schleier der Angst  hier vorstellte, entfachte eine Diskussion. Beim Thema Islam – vor allem in Zusammenhang mit dem Thema Frauenrechte – gehen nicht nur hier im Blog, sondern überall auf der Welt die Meinungen auseinander. Was das Buch, das ich heute vorstelle, wieder einmal mehr unter Beweis stellt.

Die Girls von Riad war zunächst in der Heimat der Autorin, in Saudi Arabien, verboten und nur über den Schwarzmarkt erhältlich. Veröffentlicht wurde es erst einmal im Libanon. Dort, wo man für eine Buchveröffentlichung eben nicht ins Gefängnis wandern kann. Denn genau das musste Rajaa Alsanea befürchten. Schließlich kritisiert sie (als Frau!) die saudi-arabische Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der Frauen so gut wie gar keine Rechte besitzen, weder wählen, noch eine Uni besuchen, nicht allein ins Restaurant gehen oder verreisen dürfen.

Erzählt wird die Geschichte von vier ganz normalen Studentinnen: Kamra, Lamis, Michelle und Sadim. Die Vier unterscheidet nichts von Gleichaltrigen anderer Kulturen. Bis auf dass sie eben in einem Land leben, das Staat und Religion nicht trennt und in dem überholte Rollenbilder und konservative Wertvorstellungen auf das 21. Jahrhundert prallen – und dabei Frauen zurücklassen, die zwar alles können, aber eben das nicht ausleben dürfen.

Die Autorin saugte mit 18 bereits die Geschichten ihrer schiitischen und sunnitischen Mitstudentinnen auf. Und schrieb alles mit, schmückte aus, erfand Neues dazu – und strickte daraus ein beeindruckendes Buch, das sich hunderttausende Male verkaufte und Rajaa Alsanea zu einer der wichtigsten und kritischsten Personen der Literaturgeschichte Saudi Arabiens machte.

Und um nochmal auf das Thema Islam zurückzukommen: Rajaa Alsanea sucht nicht die Schuld für die Unterdrückung der Frauen im Islam und im Glauben selbst. Vielmehr übt sie Kritik an der Tatsache, dass der Koran oftmals dafür herhalten muss, veraltete Werte und Rollenverteilungen zu rechtfertigen.

Ein nicht nur interessantes, sondern auch ein berührendes Dokument, das stellenweise sogar sehr lustig ist. Lesen lohnt sich!