Heute möchte ich mal ein Buch thematisieren, was fern ab von Vampiren und Werwölfen, Engelsgesichtern und Sternenstaub ist. Und mittendrin der Realität. Der Schleier der Angst heißt das Buch und die Autorin Samia Shariff. Samia schreibt von sich und von ihrem Leben als Tochter einer streng gläubigen, algerischen Familie.

Zunächst wächst Samia in Paris auf, doch ein europäisches Verständnis von Freiheit und Gleichheit bleibt ihr dennoch verwehrt. In den Augen ihrer Eltern ist sie als Mädchen nichts wert, bringt Schande über die Familie und ist vom Teufel besessen. Fast unglaublich erscheint es, wieviel Hass gerade die Mutter ihrer eigenen Tochter entgegenbringt. Mehrere Male versichert sie Samia, dass sie sich wünschte, sie nie zur Welt gebraucht zu haben.

Und dann zieht die Familie zurück nach Algerien und für Samia beginnt ein noch gewaltigeres Martyrium. Mit 16 wird sie zwangsverheiratet. Und das mit einem gewalttätigen, brutalen Mann, der sie misshandelt und vergewaltigt. Samia hat keinerlei Rechte mehr und lebt in ständiger Angst. 15 Jahre hält sie der dauernden Unterdrückung Stand. Dann bricht sie aus – und kämpft sich in ein Leben, das ihr Freiheit und Rechte verspricht. Zusammen mit ihren Töchtern begibt sie sich auf eine gefährliche Flucht und riskiert dabei sogar mehrere Male ihr Leben.

Samia Shariff beschreibt packend und eindrucksvoll, wie schwer es ist, dem islamischen Fundamentalismus die Stirn zu bieten und aus den familiären und religiösen Strukturen auszubrechen. Das Buch macht nachdenklich und auch traurig. Und erinnert wieder einmal daran, wie wertvoll es ist, in Freiheit zu leben.