Das Geheimnis von Leben und Tod“ ist am 11. Januar 2016 im Heyne Verlag erschienen und besonders für Leser mit einem Fable für Okkultismus ein Leckerbissen. Auf knapp 450 Seiten schickt uns Rebecca Alexander direkt in zwei Abenteuer, die, obwohl sie in unterschiedlichen Epochen spielen, eng miteinander verknüpft sind.

Ein Mord, der keiner ist, und ein Unsterblichkeitskult aus dem 16. Jahrhundert

Die ersten paar Seiten starten wie jeder gewöhnliche Krimi: Ein hübsches, junges Mädchen wird tot auf einem Bahnhof gefunden und das nächste junge Ding verschwindet noch in derselben Nacht. Aufgrund der mysteriösen Symbole und Formen auf der Haut des toten Mädchens ist für die Polizei klar: Es kann sich nur um ein Ritualmord handeln. Dem Okkultismusexperten Felix Guichard, den die Ermittler bei dem Fall zu Rate ziehen, sind die Zeichen jedoch nicht fremd. Er kann die Symbole einer rituellen Beschwörungsformel aus dem 16. Jahrhundert zuordnen, mit der einst John Dee Tote wiedererweckt haben soll. Damit schließt sich für Felix bald einen Mord aus. Erst recht, als er während seinen Recherchen nach zwei Medaillen, auf denen dieselben Symbole wie auf dem Mädchen auftauchen, die zierliche Jack kennen lernt. Diese scheint nämlich deutlich mehr zu wissen, als sie anfänglich zugeben möchte.
Nebenbei rücken die aus dem 16. Jahrhundert stammenden Tagebücher von Edward Kelley immer weiter in den Fokus, in denen er seine Reise mit John Dee durch Ungarn beschreibt. Sie sind dem Geheimnis eines Unsterblichkeitskultes auf der Spur. Genau aus dieser Zeit stammen auch die Medaillen und werden so das Bindeglied zwischen den Tagebüchern, Felix und Jack. Die Lage spitzt sich zu, als sich neben der Polizei, die zu allem Überfluss noch einen bekannten Detektiv einschaltet, auch allerhand gefährliches Gesindel in Felix‘ Nacken hängt. Darunter ein mysteriöser Typ und sogar eine vermeintliche Hexe. Sie alle interessieren sich dabei nur für eines: Für Sadie – das Mädchen, das in der Mordnacht verschwand…

Die Magie zwischen zwei Epochen

Die Frage, warum das Mädchen gestorben ist, verliert in dem Roman „Das Geheimnis von Leben und Tod“ sehr schnell an Gewicht. Viel interessanter ist es bald, wie sie so lange überleben konnte. Geht man unwissend und unvoreingenommen an das Buch, bleibt nämlich lange Zeit die Frage offen, ob es in der Buchrealität Übernatürliches gibt oder nicht. So vertreibt Dee im 16. Jahrhundert mit einem brennenden Zauberpuder Wölfe und Jack klammert sich an einen Talisman, um sich aus einem eindringlichen Blick zu lösen. Ob das jedoch Magie ist oder nur Einbildung und Naturphänomene, bleibt allerdings unbeantwortet. Was aber auf jeden Fall übernatürlich ist, sind die sehr gekonnten Spannungsbögen. Zwar ist der ständige Wechsel zwischen den Epochen manchmal verwirrend und oft anstrengend, allerdings ermöglichen die zwei Erzählungsebenen miese, weil sehr gelungene Cliffhanger.

Mein Statement zum Buch

Ein wenig enttäuschend waren für mich die Charaktere. Zwar kann man sich im Laufe des Buches mit ihnen anfreunden, aber Felix, Jack und Sadie sind leider so stereotypisch, das sie zu keiner weiteren Tiefe des Romans beitragen. Wie gut, dass die Story und die Erzählweise diesen Makel auffangen können.
Der scharfe Epochenwechsel zwischen den Kapiteln war für mich sehr anstrengend zu lesen. Auch wenn er viel zur Story beigetragen hat, kann ich mir gut vorstellen, dass er auch fließender möglich gewesen wäre. Ehrlich gesagt bin ich deshalb auch ziemlich froh, dass die Charaktere kaum Ecken aufweisen. Wären sie komplizierter gewesen, hätte ich wohl Schwierigkeiten gehabt das Buch zu beenden.

Dennoch, die Kerngeschichte ist sehr spannend und aufregend. Dazu tragen auch die hervorragenden Cliffhanger und beeindruckenden Spannungsbögen bei, die sich in den beiden Erzählungsebenen immer wieder abwechseln. Und oben drauf bekommt man auch noch ein wenig Geschichtsunterricht.
Dem Fernseher ziehe ich das Buch auf jeden Fall vor. Der historische Aspekt und das Thema sind sehr spannend verpackt. Abzug gibt es für die flachen Charaktere, die viel der Atmosphäre verschlucken. So, ich bin dann mal Hexen verbrennen.

Hier geht’s zum Buch >> “Das Geheimnis von Leben und Tod

Liebe Grüße
Niels von mein Lesetipp