Das Buch an sich

Im März 2015 erschien der Krimi Im Zeichen der Götter von Ruprecht Günther im SALON LiteraturVERLAG. Das Buch selbst spielt in der Region um Salvador da Bahia, Brasilien im Jahr 2011.

Der Detektiv Joáo Almeida erhält den Auftrag, einen angeblich untreuen Ehemann zu beschatten. So weit, so normal. Stattdessen erwarten ihn tiefe Einblicke in den spektakulären Aufstieg der „Galera“ – einer kriminellen Straßengang unter der Führung von Roberto Santos.

Der Leser lernt nicht nur das Leben des Ex-Kommissars Joáo Almeida kennen, sondern wird auch in den Alltag und Aufstieg einer Vorstadtbande Brasiliens entführt. Man erfährt, wieso Roberto mit seiner Gang so erfolgreich war und welchen Einfluss die Götter darauf haben. Dazwischen liegen allerhand Geheimnisse, Verrat, Weissagungen, Wendungen und verzweifelte, alte Liebschaften mit Rachedurst.

Zu den Charakteren

Neben dem Ex-Kommissar stehen natürlich die Mitglieder der „Galera“, deren näheres Umfeld und ihre Rivalen im Mittelpunkt. Der Fokus liegt jedoch auf Roberto Santos, einem gewitzten Bauunternehmer mit vielen Facetten, der früh lernen musste, sich in der Favela Boa Vista zu behaupten. Unter seiner Führung schaffte die „Galera“ einen spektakulären Aufstieg. Nicht zuletzt durch den Segen der Candomblé – einer afro-brasilianischen Religion. Heute bildet das ehemalige Galera-Team rund um Roberto, Antonio, Carla und Robertos Bruder Flavio die Spitze des Bauunternehmens.
Im Vergleich zu Roberto treten die weiteren Figuren der Geschichte in den Schatten. Joáo ist recht einfach gestrickt und zeigt keine nennenswerte Charaktereigenschaften, die über sein nüchternes Detektivdasein hinausgehen. Auch die weiblichen Rollen kommen zu kurz. So baut beispielsweise Robertos Frau Mariza nach ihrem ersten Auftreten im Verlauf der Geschichte stark ab. Dabei steckte in ihr deutlich mehr Potential, als der Autor ihr letztlich zugestanden hat.
Ich behaupte sogar, dass der Roman dank Robertos starker Präsenz auch ohne Joáo ausgekommen wäre und die „Mädels“ beliebig austauschbar sind. Nur Robertos Exfrau hat mich in einem Part mit Stärke überrascht – als sie sich eingestand, nie von ihm geliebt worden zu sein.

Die Handlung

Die Spannung baut sich sehr langsam auf: Vom anfänglichen Techtelmechtel Joáos über das kecke Erscheinen von Mariza bis hin zur erlösenden Verfolgungsjagd. Hat man es bis hier hin geschafft, überschlagen sich die Ereignisse. Es tauchen immer mehr Fragen auf. Dabei lässt der Autor seinen Lesern oft die Möglichkeit, selbst zu überlegen, Vermutungen anzustellen und entsetzt festzustellen, dass es doch anders ist. Er spielt zum Teil sehr gekonnt mit der Kombinationsgabe des Lesers und gibt sich Mühe, den Flair Brasiliens greifbar zu machen.

Alles in allem lässt sich die Handlung gut verfolgen, trotz der vielen einheimischen Begriffe, die doch reichlich Geduld abverlangen. Es bleibt alles sehr schlüssig, auch wenn die Geschichte ab und an ein wenig mehrdeutig und von okkulten Anreizen geprägt ist.

 

Abschließend bleibt mir zu sagen

„Im Zeichen der Götter“ lässt dem Leser Interpretationsfreiraum, besonders an Stellen, wo Wahrsagung und Glück sich kreuzen. Roberto Santos als heimliche Hauptperson zu wählen, war vom Autor eine sehr gute Entscheidung. Auch wenn ich am Ende der Meinung bin, dass der Anführer der „Galera“ viel Glück im Leben hatte. Oder steht er einfach im Zeichen der Götter? Die anderen Charaktere sind mir ein wenig zu stereotypisch. Sie haben zwar alle ein paar liebenswerte Details und ihre Handlungen lassen sich gut nachempfinden, hinter dem strahlenden Stern Roberto verblassen sie allerdings.
Der Schreibstil ist recht einfach gehalten und ausgeglichen. Eine Entscheidung, die ich aufgrund der vielen brasilianischen Begriffe sehr begrüße. Nach dem ersten Drittel lässt sich der Roman deshalb flüssig und verständlich lesen.

Fazit: Man bekommt einen schönen Einblick hinter die Kulissen Brasiliens, eine interessante Geschichte über die Taten einer Jugendbande, einen spannenden Krimifall und die Belehrung: „Man sieht sich immer zweimal im Leben.“

„Im Zeichen der Götter“ wird wohl nicht mein Lieblingsbuch, für einen gemütlichen Sonntagnachmittag ist das Buch dahingegen bestens geeignet.

Niels vom mein Lesetipp-Team