Wunder die wir teilen

Sara Barnard beschäftigt sich im Buch „Wunder die wir teilen“ gleich mit mehreren Themen: Sie beschreibt die geschwisterliche Beziehung zwischen zwei besten Freundinnen – und dem, was passiert, wenn plötzlich ein drittes Mädchen dazukommt. Die Autorin setzt dem Ganzen allerdings noch eins obendrauf, indem sie einem der drei Mädchen ein reales und sehr problematisches Schicksal verpasst. Der Roman wurde aus dem Englischen von Andrea O’Brien ins Deutsche übersetzt und erschien am 25. August 2016 im „FISCHER KJB“ Verlag.

Die Neue aus einer anderen Stadt

Seit dem Sandkasten sind Caddy und Rosie nun schon miteinander befreundet und obwohl sie mittlerweile auf getrennte Schulen gehen – Caddy besucht eine private Mädchenschule, Rosie die Gesamtschule – könnte das Band zwischen ihnen nicht stärker sein. Die 16-jährige Caddy ist eher das zurückgezogene Mädchen meidet Partys, widerspricht ihren Eltern niemals und wünscht sich nichts sehnlicher als ein einschneidendes Erlebnis – vorzugsweise mit einem Jungen. Rosie hat dagegen bereits erste Erfahrungen mit Jungs, ist immer auf den heißen Partys eingeladen und auch sonst nicht auf den Mund gefallen. Dennoch haben sie ihre Rituale und nichts kann sie voneinander trennen – glauben sie zumindest. Denn plötzlich kommt Suzanne in Rosies Klasse und drängt Caddy mit ihrer selbstbewussten und offenen Art ziemlich schnell vom Thron. Caddy fühlt sich plötzlich wie das fünfte Rad am Wagen und stößt bei ihrer Suche nach einem Makel auf ein düsteres Geheimnis aus Suzannes Vergangenheit.

Als Caddy dies dann an einem Nachmittag anspricht, ist Suzanne so verletzt, dass sie die Flucht ergreift. Caddy fühlt sich daraufhin schuldig und betrachtet Suzanne infolgedessen aus einem anderen Blickwinkel. Die beiden kommen sich immer näher und Caddy lässt sich von Suzanne sogar dazu überreden, nachts von zuhause auszureißen – und plötzlich ist Rosie das fünfte Rad. Die nächtlichen Ausflüge und andere Fehltritte von Caddy – darunter ein unangekündigter Wochenendausflug in die Heimatstadt von Suzanne – sind ihren Eltern immer mehr ein Dorn im Auge und schließlich verbieten sie Caddy den Kontakt mit Suzanne. Das hält sie allerdings nicht davon ab sich weiter mit ihr zu treffen, bis ein schrecklicher Unfall alles verändert…

Eine etwas andere Liebesgeschichte

Obwohl Jungs kein wirkliches Thema in der Geschichte sind, steckt sie voller Liebe, Dramatik und berührender Worte. Das liegt wohl vor allem an Caddy, Rosie und Suzanne. Rosie ist nicht nur sehr direkt und hitzköpfig, sie ist auf gefühlsmäßiger Ebene ziemlich distanziert. Ihr würde es nie einfallen jemanden ohne weiteres in den Arm zu nehmen oder mit schönen Worten aufzumuntern. Auch kann sie nicht besonders gut zuhören. Dennoch merkt sie ziemlich schnell, dass mit Suzanne etwas nicht stimmt. Ihr scheint nämlich alles egal und sinnlos. Suzannes Weltbild ist wegen ihres schweren Schicksals ziemlich zersplittert und manchmal reicht ein Wort, um sie komplett aus der Fassung zu bringen. Da kommt ihr Caddy gerade recht, die nämlich sehr einfühlsam und mütterlich ist und es sich schnell zur Aufgabe macht, Suzanne aus ihrem Loch zu holen. Dies wird von Suzanne ausgenutzt und zwischen Caddy und Suzanne entsteht eine gewisse Abhängigkeit: Caddy findet in Suzanne endlich jemanden, mit dem sie einschneidende Erlebnisse hat und Suzanne bekommt eine Art von Liebe, die sie bei ihrer Mutter vergeblich gesucht hat. Und Rosie versucht währenddessen vergeblich Caddy aus diesem Teufelskreis zu holen, der ihr ganz offensichtlich nicht gut tut…

Das traurigste und berührendste Buch, das ich je in den Händen hielt

Sara Barnard hat es in „Wunder die wir teilen“ nicht nur geschafft vielschichtige Charaktere und Beziehungen einzubauen, sie lässt den Leser auch so tief in diese eintauchen, als würde man selbst in deren Haut stecken. Mit jeder Seite werden die Worte rührender und die Gefühle realer, sodass man auf den letzten Seiten durchgehend Tränen in den Augen hat – und das ist wundervoll! Das macht „Wunder die wir teilen“ zu einem Buch für Freundinnen, die bereits schwierige Zeiten hinter sich hatten, aber sich trotzdem – oder gerade deshalb – ohne Worte verstehen. Auf jeden Fall empfehlenswert, lesenswert und ideal, um es mit der besten Freundin zu teilen.
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