Einst tötete sie viele Menschen und nistete sich in ihnen ein. Nun ist sie zurück und lechzt nach mehr. Die rote Schwindsucht. Jemand muss sie aufhalten…

Die 17-Jährige Allison wählte das Leben und damit die Unsterblichkeit. Sie wurde zu einem Vampir, weigert sich jedoch strikt, dadurch zu einem seelenlosen Monster zu werden. Die Vergangenheit vergisst nicht und so führt Allis Weg sie zurück an den Ort, wo alles begann. Die rote Schwindsucht ist zurück und rafft dieses Mal auch die Vampire dahin. Ein Heilmittel muss her. Der einzige, der ihr bei der Lösung dieses Rätsels helfen könnte, wird jedoch gerade gefangen halten. Sie muss ihn finden und das möglichst schnell. Kanin, ihren Schöpfer. Anderenfalls sind sie alle dem Tode geweiht.

Meine Meinung:
Es gibt da so eine Tatsache, die ganz typisch für Trilogien ist. Der erste Teil ist top, der Zweite ein Flop. Ich komme nicht drum herum, ab und an das Gefühl zu haben, dass die mittleren Bände nicht mehr als Lückenfüller zwischen Start und Ziel sind. Ein Stiefkind, das irgendwie dazu gehört, aber auch nur gezwungener Maßen. Als ich vor fast einem Jahr den ersten Teil dieser Trilogie las, war ich absolut begeistert. Ein richtig gutes Vampirbuch – welch Seltenheit! Wie hoch war also die Wahrscheinlichkeit, dass Julie Kagawa sich selbst übertraf? Ich zählte an den Fingern ab und kam zu keinem guten Ergebnis. Mathe und ich mochten uns noch nie. Jetzt habe ich lange genug um den heißen Brei geschrieben: „Tor der Dämmerung“ war nur der rote Teppich – „Tor der Nacht“ ist der Star!

Mit ihren „Plötzlich Fee“-Büchern gewann die Autorin bereits vor einiger Zeit mein Leserherz, mit ihrer „Unsterblich“-Trilogie ist sie auf dem besten Weg es für immer zu gewinnen. Über den Schreibstil habe ich mich nun in 5 Rezensionen gebührend ausgelassen, gesagt sei an dieser Stelle also noch, dass mir der Einstieg auch dieses Mal spielend leicht fiel. Was vermutlich zusätzlich an den kleinen Rückblenden lag, die mir sehr gefielen. Der Wiedererkennungswert des Schreibstils liegt für mich eindeutig dem fantastischen Humor zu Grunde, mit dem sie auch hier wieder nicht geizte – herrlich!

Schon der Vorgänger glänzte durch spannungsgeladene Szenen, unvorhersehbare Wendungen, glaubwürdige Protagonisten und vor allem, wirklich fiese Vampire. Kein Glitzer, kein Weichspüler, keine „vegetarische“ Ernährung. Es steht Mensch auf dem Speiseplan. Dies sind Vampire, wie ich sie mir vorstelle. Die Geschichte geht ereignisreich weiter und auch hier, schaffte die Autorin es erneut, mich immer wieder zu überraschen. Jede Menge „Oh.“ und „Waaaas?! “ – Momente waren so vorprogrammiert. Die Weiterentwicklung der bekannten Protagonisten und einige interessante Neuzugänge, passten sich hervorragend an diese Hetzjagd durch die Seiten an. Ich hatte das Gefühl jedes Wort nicht schnell genug in mich einsaugen zu können, da drängte es mich auch schon wieder vorwärts. Wie geht es bloß weiter? Von Längen zu sprechen wäre übertrieben, im Mittelteil gab es aber durchaus ein paar kleine Einsenkungen im Spannungsbogen. Diese störten mich jedoch überhaupt nicht, ich nutzte sie eher um einmal Luft zu holen.

Protagonistin Allison gehört definitiv zur taffen Sorte. Sie sorgte mit ihrer Schlagfertigkeit wieder für einige Lacher meinerseits und ich fand es schön, in diesem Teil auch kleine Einblicke hinter die harte Schale zu bekommen. Ihr innerer Kampf zwischen Trieb, Selbsterhaltung und Gewissen war sehr greifbar. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten und durch eventuelle Begeisterungshymmnen zu viel verraten. Lasst es mich also so sagen: Es gibt unter den Protagonisten jemanden, der diesem Buch noch den letzten Anstoß gab, um seinen Vorgänger mühelos zu überholen. Dabei spielen bitterböser Sarkasmus und schwarzer Humor eine tragende Rolle, ihr dürft also gespannt sein.

Das Ende gehört zu jenen, bei denen man das unbezwingbare Bedürfnis verspürt, sich diesen 500-Seiten Schinken ungebremst gegen den Kopf zu hauen. Oder Seiten heraus zu reißen. Oder es zu verbrennen. Oder es aus dem Fenster zu werfen. Oder die Autorin anzurufen und in den Höhrer zu schreien. Das Zauberwort lautet: Cliffhanger – und was für einer! Ich bin nicht gespannt, ich bin fuchsteufelswild. Ich hoffe, es geht ganz bald weiter. Um unser aller Willen.

Fazit:
„Humor ist Trumpf“ und „Wenn Fortsetzungen ihre Vorgänger mühelos in die Tasche stecken“, das wären wohl meine persönlichen Umschreibungen für Julie Kagawas „Tor der Nacht“. Wer vom ersten Teil ebenso begeistert war, wie ich, wird beim zweiten Teil ausflippen. Noch spannender, noch schneller, noch tödlicher. Die Geschichte lies mich atemlos durch die Seiten rennen, um mich am Ende einfach über die Klippe fliegen und dort hängen zu lassen. Hier hänge ich nun und hoffe nicht, dass es bald weiter geht. Ich will, dass es SOFORT weitergeht!

Für alle, die Lust auf spannende, sehr humorvolle Unterhaltung haben und die kein Problem mit bluttrinkenden Vampiren haben (Ja, so etwas tun richtige Vampire ab und zu), ist diese Fortsetzung genau das Richtige.