„Klippen springen“ von Claire Zorn ist am 15. Juli 2016 im Thienemann Verlag erschienen und behandelt das Thema Mobbing. Der Roman entführt den Leser aber nicht nur in die Tiefe der Demütigungen und Hilflosigkeit des Opfers, sondern spiegelt auch die Probleme der heutigen Gesellschaft wieder. Geschrieben ist die Geschichte aus Sicht der zurückgezogenen Hannah, die in einem kleinen Ort in Australien wohnt – und abgesehen vom Mobbing ein noch viel schlimmeres Schicksal verarbeiten muss…

Die Party, die alles veränderte

Hannah hat ein großes Problem: Nach einem Zwischenfall auf einer Party wird sie von der gesamten Schule gemobbt. Die Attacken und Demütigungen ziehen immer größere Kreise und es gibt sogar Facebook-Seiten über sie. Ihre Eltern stehen dem Problem machtlos gegenüber und ihre große Schwester ist viel zu cool, um sich einzumischen. Hannah fällt es immer schwerer zur Schule zu gehen, bis eines Tages etwas Schreckliches passiert und die Attacken ruckartig stoppen. Niemand redet mehr mit ihr. Niemand macht sich mehr über sie lustig. Keine Mobbing-Seiten über sie in sozialen Netzwerken mehr. Doch dafür zahlt Hannah einen sehr hohen Preis…
Das Buch startet ein Jahr nach diesen Ereignissen. Stück für Stück öffnet sich Hannah gegenüber der Schulpsychologin und erzählt von den Attacken, den Demütigungen und dem schrecklichen Ereignis, der das Leben ihrer gesamten Familie verändert: Ein Unfall, bei dem Hannahs ältere Schwester ums Leben kam.

Der Schock und der Schmerz sitzen tief in Hannah und sie hat große Probleme irgendjemanden zu trauen. Und dann ist da plötzlich auch noch Josh – der sie immer öfter in der Mittagspause besucht und das erste Mal nach einem Jahr zum Lachen bringt…

Der denkbar schlechteste Zeitpunkt

Das Buch startet mit einer abgestumpften, introvertierten Hannah, die in einer tristen und mechanischen Abfolge in den Tag hinein lebt. Immer wieder blitzen Gedankenfetzen aus der Vergangenheit auf, die das Mädchen aus der Bahn werfen. Ihr Vater flüchtet in die Arbeit, ihre Mutter mutiert zu einem depressiven Trauerkloß und in der Schule redet niemand mit Hannah. Es sind die denkbar schlechtesten Startbedingungen für ein junges Leben – und dennoch findet Hannah jeden Tag den Mut aufzustehen.
Viele unterschätzen die Kraft, die für dieses „weiter machen“ nötig ist. Hannah führt dem Leser diese Kraft vor, zeigt, wie viel Stärke es braucht, um nicht an solchen Erlebnissen zu zerbrechen.

Der Klappentext wird der Geschichte nicht gerecht

Man sollte ein stabiles Gemüt haben, wenn man dieses Buch lesen möchte – denn, wenn man ähnliche Situationen selbst erlebt hat, wird man sich unweigerlich in Hannah wiederfinden. Darüber hinaus hat „Klippen springen“ viele Ebenen und Facetten, die im Klappentext viel zu kurz kommen: Da sind die Eltern von Hannah, die eines ihrer Kinder verloren haben, Josh, der unglaublich charmant und einfühlsam ist, die komplizierte Beziehung zwischen Hannah und ihrer Schwester und vieles mehr. Das Buch ist voll von Twists und Emotionen, die direkt unter die Haut gehen. Entweder man weint vor Wut, man weint vor Trauer oder man ist so gerührt, dass man weint – eigentlich hatte ich das gesamte Buch über Tränen in den Augen. Auf jeden Fall lesenswert!
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