Der RomanDas Licht der letzten Tage ist am 14. September 2015 im Piper Verlag erschienen und zeigt uns, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Einfühlsam nimmt Emily St. John Mandel ihre Leser darin mit in eine post-apokalyptische Geschichte. Das Ziel: Sich einfach mal treiben lassen…

Inhalt

Die Georgische Grippe hat geschafft, was keiner für möglich hielt: Innerhalb weniger Tage hat sie 99 Prozent der Weltbevölkerung vernichtet und die Zivilisation, wie wir sie kennen, zum Zusammenbruch gebracht. 20 Jahre nach der Pandemie erscheinen die technischen Errungenschaften unserer Gegenwart vielen wie ein Traum. Lange nachdem der Strom ausgefallen ist, das Benzin zuneige ging und das letzte Medikament verbraucht wurde, kämpfen sich die Überlebenden durch eine Welt fern ab von Internet und Globalisierung.

Mittendrin: Die fahrende Symphonie. Eine bunte Truppe aus Schauspielern und Musikern, die durch diese unwirkliche Welt zieht und für die verstreuten Menschen Shakespeare zum Besten gibt. Zu ihnen gehört auch Kirsten. Sie ist eine junge Schauspielerin und war beim Untergang der Zivilisation erst acht Jahre alt. Zwei Jahrzehnte später ist die Symphonie ihr Zuhause und ihr altes Leben nur noch eine schwache Erinnerung. Dennoch hält sie daran fest: An dem nutzlos gewordenen Briefbeschwerer, an dem Andenken an den Schauspieler Arthur Leander und an den Comics, die er ihr damals geschenkt hat.

Denn Arthur ist das, was alle Charaktere und Handlungsstränge gemeinsam haben: Auch wenn er schon lange vor dem eigentlichen Beginn der Erzählung das Zeitliche gesegnet hat, ist er es, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Die Geschichte seiner ersten Ehefrau Miranda, die Kirstens geliebte Comics gezeichnet hat. Die Geschichte von Arthurs bestem Freund Clark, der in einem ehemaligen Flughafen mitten im Nirgendwo gestrandet ist und dort ein „Zivilisations-Museum“ aufgebaut hat. Und die Geschichte von Kirsten, die mit Arthur damals in seinem letzten Stück auf der Bühne stand.

Schreibstil

„Hoffnungsvoll düster, schrecklich zart und tragisch schön“ – So heißt es auf dem Klappentext von „Das Licht der letzten Tage“. Und das trifft es tatsächlich ziemlich gut. Der Schreibstil der Autorin ist ungewöhnlich und sehr speziell, hat mich aber komplett in seinen Bann gezogen. Emily St. John Mandel springt in ihrem Buch munter zwischen den Zeiten, Protagonisten, Handlungsorten und Erzählformen hin und her. Mal berichtet sie aus Arthurs und Mirandas Vergangenheit, lange vor der Katastrophe, dann wieder aus dem harten Alltag der fahrenden Symphonie und dem surrealen Leben auf einem Flughafen, Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch unserer Zivilisation. Das ist zu Beginn recht verwirrend und es dauert ein wenig, bis man die jeweiligen Charaktere und Handlungsstränge zuzuordnen weiß.

Mich hat dies jedoch wenig gestört. Im Gegenteil: Genau so, wie sich die Autorin beim Schreiben hat treiben lassen, kann man sich beim Lesen einfach in die Geschichte fallen lassen. Dabei ist – wie bei einer schönen Reise – der Weg das Ziel. Die eigentliche Geschichte tritt dabei in den Hintergrund und lässt Raum für die eigentliche Botschaft dieses Romans: Die Schönheit unserer Welt. So überrascht auch das recht offene Ende nicht. Es passt einfach zum Stil des Buches, dass auch hier die Reise noch nicht zu Ende ist.

Fazit

Mich hat „Das Licht der letzten Tage“ voll und ganz überzeugt. Schon das Cover mit den hübsch gestalteten Innenseiten lädt zum Träumen ein. Dem steht auch die Geschichte in nichts nach. Auch wenn die Story an sich eher bedrückend ist – schließlich hat eine Pandemie fast die gesamte Menschheit und die bisherige Zivilisation vernichtet – stellt sie die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Welt in den Fokus. Die Charaktere in dieser Geschichte kämpfen. Für sich, für ihre Lieben und für eine Zukunft, egal wie unwirklich diese Welt geworden ist. Ein Buch zum Abschalten, Treibenlassen, einfach zum Genießen!

Hier geht’s zum Buch >> Das Licht der letzten Tage

Liebe Grüße
Carina von mein Lesetipp