Am 15. Februar 2016 veröffentlichte der Verlag „blanvalet“ den Roman „Die Herren der grünen Insel“. Das dicke Buch mit seinen knapp 1000 Seiten stammt aus der Feder von Julia Kröhn und entführt den Leser in das Irland des 12. Jahrhunderts. Natürlich sind historische Romane nicht jedermanns Sache, diese Zeitreise lohnt sich dennoch allemal:

Die Farbe Irlands ist nicht grün, sondern rot

Der Hochkönig Irlands, ergo die höchste Instanz der Insel, möchte nach jahrelangen Kriegen endlich Frieden und verbietet sogar den weiteren Handel mit Waffen. Das gefällt dem Händler Pól so überhaupt nicht. Er nutzt den Hass aus jahrelangen Fehden zwischen den Königen der Insel und den Machthunger vom anglo-normannischen König Henry II. Plantagenet, um neue Zwietracht zu sähen. Aber nicht nur Pól kann seine Gier kaum stillen. Der Großkönig Ascall von Toora, ein enger Vertrauter des Hochkönigs, startet einen Alleingang gegen die O’Bjólan-Familie, um sich für eine Schmach zu rächen. Obwohl sich der Kleinkönig Riacán O’Bjólan dem gefürchteten Krieger stellt, kann er nicht verhindern, dass seine Schwester Caitlín von Ascall entführt wird. Allerdings will er diese Niederlage nicht ohne weiteres hinnehmen und schmiedet einen Plan, um den stärksten Kriegsherr der Insel zu töten und seine Schwester aus den Fängen Ascalls zu befreien. Sein Vorhaben endet im Desaster. Die Feindschaft zwischen Toora und den O’Bjólans verblasst allerdings schnell im Schatten einer deutlich größeren Bedrohung, als plötzlich die Normannen in Irland einfallen. Nur wenn sich die Könige und Herrscher der Insel zusammenschließen, können sie diesen Feind bezwingen. Aber wird es dem Hochkönig gelingen alle unter einem Banner zu vereinen?
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Keine Feen, keine Kobolde – dafür massig Charakter

Irland ist Kalt und schroff. Die Iren wirken in „Die Herren der grünen Insel“ wie das Land selbst: spröde, hart und brutal. Es dauerte nicht lange, bis ich mich selbst in Irland wieder fand und durch das verregnete Weideland marschierte, die dichten Wälder durchstreifte oder mich in den Mooren verirrte. Genauso authentisch wie das Land, sind auch die Personen im Buch. Jedes Wort ist glaubhaft, auch der mittelalterliche Flair kommt sehr gut zur Geltung. Pro Kapitel begleitet man eine andere Hauptfigur aus dem Buch. Das ist anfangs etwas verwirrend, auch durch die eher schweren Namen. Später habe ich mich jedoch immer tierisch gefreut, wenn über einem Kapitel der Name meines Lieblings-Charakters stand. Die Storyline ist immer fortlaufend. Es ist also notwendig, aus den Ereignissen des aktuellen Kapitels zu schließen, was die anderen Figuren gerade so treiben. Das gibt dem Buch einen sehr speziellen Spannungsbogen, besonders wenn schon seit 5 (gefühlt aber 20) Kapiteln nichts mehr vom Liebling zu lesen war. Und obwohl die Charaktere so im Fokus stehen, kommt die Erzählung nicht zu kurz. Selbst Kleinigkeiten sind gut zu behalten, da sie eng mit dem jeweiligem Charakter, seinen Handlungen und Beweggründen verknüpft sind.

Meine Meinung zum Buch

Historische Romane gehören definitiv nicht zu meinem Lieblingsgenre, trotzdem war der Roman sehr interessant. Es hat Spaß gemacht ihn zu lesen und die Figuren durch Irland zu begleiten. Ich wusste irgendwann nicht mehr für oder gegen wen ich sein sollte, weil mir nicht nur ein oder zwei Charaktere, sondern gleich ein halbes Dutzend ans Herz gewachsen sind. Umso enttäuschter war ich, wenn einem meiner Lieblinge etwas Schlechtes widerfahren ist. Und genau das ist für mich ein deutlicher Beweis dafür, dass die Figuren im Buch sehr viel Charisma und Tiefe haben. Wer also auf Irland und wirklich großartige Charaktere steht, wird an „Die Herren der grünen Insel“ nicht vorbei kommen.
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