Am 26. Oktober 2015 veröffentlichte der Verlag „Heyne fliegt“ den ersten Band einer dreiteiligen Romanserie von Francesca Haig. Unter dem Namen „Das Feuerzeichen“ brannte sich die Dystopie spürbar in meine persönliche Bestseller-Liste. Der Originaltitel „The Fire Sermon“, wurde im März 2015 durch „Gallery Books“ heraus gebracht und von Katrin Wolf ins Deutsche übersetzt. Bereits jetzt gehört der Roman auf vielen Portalen zu den 10 Bestsellern dieses Jahres und sahnt ordentlich positive Kritik ab.
Ich habe das Buch gelesen und sehr genossen, weshalb ich es Euch gern näher bringen möchte.

Wir schreiben das Jahr 400 nach der Explosion

Es ist eine trostlose, kalte Welt. Eine Welt, in der die einzige Wärme die unerschütterlich sengende Hitze der Sonne zu sein scheint. Die Menschheit hat sich rapide verändert. Fortschritt und Reliquien aus dem „Vorher“ sind nicht nur verbannt, sondern verboten. Es gibt keine Einzelkinder mehr, nur noch Zwillinge. Je ein gesundes und ein deformiertes, ein „giftiges“ Kind werden geboren. Gebrandmarkt werden die sogenannten Omegas als zweite Klasse verstoßen und leben fortan getrennt von der Familie und den „Alphas“.
Doch trotz dieser Trennung bleiben die Zwillinge ein Leben lang verbunden – stirbt der eine, so stirbt auch der andere…

Gut und Böse waren nie enger miteinander verknüpft

Cass ist eine Omega, doch als Seherin genießt sie das vermeintliche Glück, mit keiner äußerliche Deformierung gestraft zu sein. Keine fehlenden Gliedmaßen, keine überflüssigen Finger, keine Blindheit. Nur immer wiederkehrende, lebhafte Visionen von der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft, die mehr und mehr an ihren Nerven und ihrer Psyche zehren. Noch dazu ist sie selbst in ihren Kreisen, in der Gesellschaft der Omegas, eine Außenseiterin – haben die anderen doch mindestens genauso viel Angst vor ihren Fähigkeiten wie die Alphas vor der giftigen Gegenwart der Omegas.
Aber trotz der Ablehnung durch ihre Familie, allen voran ihrem Zwillingsbruder Zach, den Alphas und den mit selbigem Schicksal behafteten Omegas glaubt sie fest an das Gute, an eine gemeinsame Zukunft aller.

Ihr Bruder scheint hingegen das exakte Spiegelbild von Cass zu sein. Die langen 13 Jahre, bevor er und Cass getrennt wurden, ließen ihn einen tiefsitzenden Hass gegenüber den Omegas entwickeln. Cass hatte in all der Zeit ihre Visionen verheimlicht und sich so einen Tag nach dem anderen im gemeinsamen Elternhaus erkaufen können. Jedoch mit schrecklichen Folgen – Beide waren Ausgestoßene, die weder von ihren Eltern, noch von anderen aus dem Dorf beachtet oder aufgenommen wurden. Und selbst nachdem Zach seine Schwester mit einer List zu einem Geständnis zwang, fand er keinen Anklang im Dorf.
Mit dem Ziel, Großes zu erreichen und die Omegas ein für alle mal aus der Welt zu schaffen, tritt er bald nach Cass‘ Abreise dem Rat bei und wird mit seinem politischem Aufstieg schnell seiner Drohung gerecht.

Erkundungstour durch eine vertraute, völlig fremde Welt

Im ersten Teil des Romans „Das Feuerzeichen“ kommt man Cass hautnah. Sie erzählt von ihrer Kindheit, von der Splittung, ihrem Bruder und wie sich der Hass der Alphas auf die Omegas zeigt. Ich dachte zuerst, mich interessiert die Vergangenheit dieses Mädchens gar nicht. Erst zur Mitte des Buches merkte ich, dass sie mich schon längst in ihrer Welt gefangen hielt. Ihre Gefühle, ihre Gedanken und ihre Umgebung kamen mir so vertraut und natürlich vor, dass mir nicht bewusst war, wie fremd diese Welt eigentlich ist. Das Phänomen habe ich wohl der detailreichen und personifizierten Erzählung aus Cass‘ Sicht zu verdanken. Man versteht sie, man kann ihre Gefühle nachempfinden, und so ist es ein Leichtes auch ihre Welt zu sehen und zu verstehen – sie so zu betreten, als würde man schon immer zu ihr gehören.

Vorhersagungen und Überraschungen

Vom Beginn des Buchs an befindet sich Cass auf der Flucht. Flüchtet sie erst vor der Splittung und dem Schicksal eines Omegas, so flüchtet sie bald vor ihrem Bruder und den allgegenwärtigen Augen einer Seherin, die sich den Plänen von Zach angeschlossen hat.
Ab hier geben reichlich Klischees einem ziemlich schnell das Gefühl, selbst alles vorhersehen zu können. Man könnte fast glauben, selbst ein Seher wie Cass zu sein. Doch wenn es dann an die wirklich tiefgreifenden Ereignisse geht, ist man plötzlich blind und muss sich der Realität der geschriebenen Worte stellen.
Und genau das ist auch gut so. Denn dank der starken Charaktere und der sehr schön beschriebenen Welt saugt man das Buch in sich auf. Fast jeder Moment wird von Cass wunderbar ins Geschehen gemalt, sodass die Klischees mit der Welt verschmelzen und oft nicht weiter auffallen. Ein Versteckspiel, bei dem ein verräterischer Fußabdruck über Leben und Tod entscheidet, eine Verfolgungsjagd, bei der hinter jeder Ecke der Verfolger zu lauern scheint, ein sicherer Ort, der binnen Minuten zur Falle wird.

Das entscheidende Ende oder eher die Entscheidung am Ende?

Den ersten Teil der Trilogie von Francesca Haig habe ich trotz der anfänglichen Einfindungsschwierigkeiten verschlungen. Das Ende ist ein sehr gemeiner Cliffhanger und gibt kaum Aufschluss darüber, was Cass im nächsten Teil zustoßen und wie sie die Strapazen der Vergangenheit verdauen wird. Außerdem kommen neben den Fragen, wie es mit Cass weiter geht oder was mit ihrem Bruder passiert (zumindest für mich) einige aktuelle, politische Fragen auf. Allen voran die Frage: „Kommen wir gemeinsam, als Menschheit, weiter, wenn wir alles, was wir nicht verstehen und vor dem wir Angst haben, wegsperren, verbannen oder ausrotten?“

In wenigen Sätzen zusammengefasst

Die Charaktere sind allesamt leicht in ihrer Art und ihrem Handeln nachzuvollziehen, dabei jedoch nicht übermäßig stereotypisch. Die Welt ist sehr faszinierend und das Setting in dieser Form eine gelungene Mischung aus Abenteuer und Action.
Das Feuerzeichen“ ist daher am ehesten mit einem guten Steak zu vergleichen – blutig, schön gemasert, über offenem Feuer gegrillt und am Rand etwas zäh.

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